Worum geht es beim Clearing?

Wenn Menschen mit öffentlichen Verkehrsmitteln reisen, müssen häufig verschiedene Tickets bei unterschiedlichen Verkehrsunternehmen gekauft werden. Zukünftig sollen alle Tickets, die bei einer Reise anfallen, aber nur noch von einem Kundenvertragspartner angeboten werden. Konkret bedeutet das, dass ein Kunde z.B. von Köln nach Frankfurt fährt und sowohl den Fernverkehr als auch den Nahverkehr in beiden Städten nutzt.

Bezahlen wird er die Fahrt aber nur bei dem Verkehrsunternehmen, bei dem er ein Kundenkonto angelegt hat. Damit alle an der ÖPV-Nutzung beteiligten Unternehmen ihr Geld für die getätigte Fahrt erhalten, benötigen diese ein System, das die jeweiligen Tarife kennt und weiß, wer wieviel aus den gesamten Ticketverkäufen erhält. Ganz wichtig: Es handelt sich nicht um die spätere Einnahmeaufteilung, die i.d.R. innerhalb der Verkehrsverbünde stattfindet. Das Clearing sorgt erstmal dafür, dass Leistungen aus fremden Tarifregionen untereinander abgerechnet werden können.

 

 

 

 

 

Was ist Clearing?

Clearing besteht im öffentlichen Personenverkehr aus drei Komponenten. Zu Beginn steht das Produktclearing. Hier werden Produkte und Preise der jeweiligen Fahrten bzw. Fahrtenketten ermittelt. Diese Informationen können, auch ohne den Verkauf von Tickets, Fahrplanauskunftssystemen zu Verfügung gestellt werden.

Zusätzlich werden hier die Tarife für die Automatische Fahrpreisermittlung (AFE) berechnet. Alle Verkehrsunternehmen und –verbünde die Ihren Kunden z.B. über ein Check-In / Check-Out-System den Fahrpreis nach der Fahrt in Rechnung stellen, benötigen eine valide Berechnung des richtigen Tarifs oder ganzer Tarifketten.

Nun folgt das Forderungsclearing. Hier werden die betreffenden Forderungen ermittelt, Provisionen berechnet und zum Schluss die Saldierungen zwischen den beteiligten Unternehmen getätigt. Ist der Saldierungsvorgang abgeschlossen, steht fest, wie viel Geld überwiesen werden muss. Dies ist dann Teil der letzten Clearingkomponente – dem Settlement. Hierbei handelt es sich um den Zahlungsausgleich und den Transfer der jeweiligen Beträge.

 

 

Für wen ist Clearing wichtig?

Insbesondere für alle Verkehrsunternehmen und -verbünde, die ihren Fahrgästen eine durchgängige Reise vom Start- bis zum Zielpunkt anbieten möchten. Zusätzlich soll das zentrale Clearing auch allen Unternehmen offen stehen, die ÖPV-Nutzungen im Rahmen dieser Geschäftsvorfälle anbieten.

Die Reisekette kann dabei auch Strecken außerhalb der eigenen Tarifregion enthalten. Hierbei spielt es keine Rolle, ob der Kunde seine Reise via App auf dem Smartphone plant, im Webshop kauft oder seine vorhandene Chipkarte von (((eTicket Deutschland verwendet. Das Clearing ist unabhängig von der Art des Zugangs zum Ticket. Wichtig ist nur, dass der Kunde einen Vertragspartner hat, über den er seine Reise plant und bezahlt. Das Produktclearing ist darüber hinaus für alle Anbieter von Mobilitätsplattformen interessant.

Im Grunde handelt es sich hier um einen deutschlandweiten Tarifserver, der zu den Fahrplandaten die passenden Produktinformationen liefert. Damit erhält der Kunde nicht nur den Vergleich der Reisezeit bei unterschiedlichen Verkehrsmitteln, sondern auch die Preisunterschiede
seiner verfügbaren Reisemöglichkeiten mit dem ÖPV.

 

 

Wie funktioniert das Clearing?

Das Clearing mit seinen drei Komponenten ist der nächste Baustein in den Hintergrundsystemen von (((eTicket Deutschland. Das zentrale Clearingsystem kommuniziert über ein gesichertes Netzwerk mit allen angeschlossenen Hintergrundsystemen der (((eTicket- Deutschland-Teilnehmer.


Das Produktclearing ermittelt die richtigen Tarife und Preise für die Reisekette des Kunden. Zusätzlich steht es den angeschlossenen Teilnehmern zur Berechnung der automatisierten Fahrpreisberechnung zu Verfügung. Eine Herausforderung bei der Tarifermittlung ist die valide Bestimmung von Tarifketten. So kann z.B. eine Strecke mit der S-Bahn je nach Reisekette in zwei verschiedenen Tarifzonen liegen. Entscheidet sich der Kunde für den Kauf eines Tickets, wird aus Produktanfrage und Tarifermittlung ein Geschäftsvorfall. Die schon getätigten Fahrten aus der Automatischen  Fahrpreisermittlung sind bereits Geschäftsvorfälle mit nachgelagerter Tarifberechnung.

Aus diesen Geschäftsvorfällen ergeben sich Forderungen der beteiligten Verkehrsunternehmen und -verbünde gegen den Kundenvertragspartner, der von seinem Kunden den Fahrpreis einnimmt. Um diese Forderungen untereinander zu klären, beginnt jetzt das Forderungsclearing. Hier wird konkret berechnet, wie sich die Einnahmen auf die beteiligten Verkehrs- unternehmen und –verbünde verteilen. Neben der Aufteilung erfolgt hier auch die Verrechnung der gegenseitig vereinbarten Provisionssätze. Alle Gutschriften und Schulden werden hier auf den Teilnehmerkonten saldiert.

Organisatorisch gäbe es zwei Arten der Saldierung. 1. Das multilaterale oder auch Nettoclearing genannte Verfahren. Dieses betrachtet alle Eingänge und Leistungen und ermittelt für jeden Teilnehmer den korrekten Gesamtbetrag. Dieser wird dann in einer Transaktion überwiesen oder eingezogen. 2. Das bilaterale oder auch Bruttoclearing-Verfahren. Hier verrechnet jeder Teilnehmer mit allen beteiligten Teilnehmern einzeln die Gutschriften und Schulden. Dies kann dann zu einer Vielzahl von Transaktionen pro Teilnehmer führen.

Am Ende des Clearingprozesses steht das Settlement. Zusammengefasst ist dies die Verteilung der Zahlungsaufträge und der Transfer der Gelder zwischen den Teilnehmerkonten. Das Verfahren ist abhängig von der Art des Forderungsclearing (multi oder bilateral).

 

 

Wie kann ich beim Clearing mitmachen?

Aktuell befindet sich das zentrale Clearing im Aufbau. Wenn Sie bereits Teilnehmer an (((eTicket Deutschland sind, wird das zentrale Clearing als Erweiterung der (((eTicket-Deutschland-Hintergrundsysteme für Sie ab 2018 zu Verfügung stehen. Sollten Sie noch kein System zum elektronischen Fahrgeldmanagement eingeführt haben, benötigen Sie zur Nutzung des zentralen Clearings ein eTicket-System auf Basis des offenen
Standards der VDV-Kernapplikation.


Wenn Sie Ihren Fahrgästen zukünftig den Kauf von eTickets via Smartphone in fremden Tarifregionen anbieten wollen, benötigen Sie zusätzlich den Anschluss Ihres bestehenden oder geplanten Handyticketsystems an IPSI. Insgesamt wird mit dem zentralen Clearing, IPSI und dem begleitenden Projekt DELFI+ die technische Lücke geschlossen, um deutschlandweit via Smartphone Fahrplandaten, Tarifdaten und den Ticketkauf in einem digitalen Service zu vereinen.

Sie ermöglichen damit Ihren Kunden einen nutzerfreundlichen Zugang
zu ÖPV-Leistungen in fremden Regionen über Ihren Vertriebskanal. Ihr Kunde bleibt Ihr Kunde, auch wenn dieser woanders unterwegs ist.

 

 

Was passiert als nächstes?

Der Aufbau des zentralen Clearings für den deutschen ÖPNV ist Teil der Roadmap „eTicket und digitale Vernetzung des ÖPNV“, die unter Leitung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur erarbeitet wurde. Im Rahmen des gleichnamigen Förderprogramms, ist die Entwicklung des zentralen Clearings eines von insgesamt 12 Projekten.

Das Projekt Clearing hat eine Laufzeit bis September 2018 und wird durch das BMVI zu 50% gefördert. Inhalte des Projektes sind die Entwicklung, Aufbau und Testbetrieb der drei Clearingkomponenten Produktclearing (Tarifserver), Forderungsclearing und Settlement. Parallel wird als Teilprojekt der Teilnehmervertrag für das Clearing im deutschen ÖPNV entwickelt.  

Wo gibt es diese Informationen zum Download?

Hier! Diese Informationen stammen aus der Clearing-Broschüre des VDV eTicket Service zur deutschlandweiten Vernetzung von Handyticketsystemen.

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