Worum geht es bei IPSI?

Smartphones sind mittlerweile fest in unseren Alltag eingebunden. Kundenfreundliche Apps sind intuitiv zubedienen und führen zu individuellen Angeboten. Laut einer Studie des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel Deutschland e. V. machen Buchungen für Flug-, Bahn- und Bustickets 44 % aller Einkäufe aus, die über das Smartphone getätigt werden.

Fahrplaninformationen in Echtzeit, Routenvorschläge und der Ticketkauf via Smartphone sind - vor allem für Gelegenheitsnutzer ohne Fahrplan- und Tarifwissen - ein kundenfreundlicher Zugang für die einfache Nutzung des ÖPV. Möchte man aber denselben komfortablen Zugang zum ÖPV in einer fremden Stadt bzw. einer anderen Tarifregion nutzen, hilft einem die App des eigenen Verkehrsunternehmens nicht weiter. Man benötigt die App des dortigen lokalen Verkehrsunternehmens oder -verbundes und ist gezwungen, erneut ein Kundenkonto anzulegen.

Will der Fahrgast also nicht zusätzliche Apps und Kundenkonten ansammeln, bleibt ihm nur der Kampf mit Kleingeld und fremden Tarifen. Nicht unbedingt das, was sich der Fahrgast wünscht und deutlich weniger als das, was ein Verkehrsunternehmen oder – verbund seinen Fahrgästen heute bieten könnte.

Berücksichtigt man, dass 77 % aller Reisen der Deutschen im Inland stattfinden und etwa die Hälfte davon auf die Mobilitätsangebote vor Ort angewiesen ist, sind das eine Menge Fahrgäste, die auf Zutrittsbarrieren des fremden ÖPV stoßen.

 

 

 



Was ist IPSI?

IPSI besteht aus drei Teilen: Zum einen wird mit IPSI (Interoperables Produkt Service Interface) eine Schnittstelle beschrieben, die die Kommunikation zwischen Handyticketsystemen, dem IPS und lokalen Ticketsystemen ermöglicht. Der IPS selbst ist ein zentrales Hintergrundsystem, das Ticketkaufanfragen von i. d. R. fremden Handyticketsystemen an die jeweiligen lokalen Ticketverkäufer vermittelt.

Abschließend ist IPSI auch das vertragliche Regelwerk, das den gegenseitigen Verkauf von Tickets unter den Teilnehmern regelt. Für den Kunden bedeutet das einen einzigartigen Komfortgewinn. Er installiert sich die App seines Heimatverkehrsunternehmens oder –verbundes und legt dort sein Kundenkonto und die gewünschte Zahlweise an. Reist der Kunde in eine andere Stadt bzw. in eine andere Tarifregion, erhält er das passende Ticket zu einer Fahrplanauskunft bzw. manuell gewählten Tarifproduktauswahl in seiner gewohnten App.

Weitere App-Downloads, neue Kundenkonten, Passwörter und Bezahlberechtigungen werden somit überflüssig.



Für wen ist IPSI wichtig?

Mobilität verändert sich im Zuge der digitalen Vernetzung innerhalb und außerhalb der ÖPV-Branche rasant. Neue Mobilitätsanbieter treten auf den Markt, teils mit ergänzenden Angeboten zum bisherigen ÖPV und teils mit alternativen Angeboten. Um einen Zugang und damit die Nutzung des ÖPV einfach und attraktiv zuhalten, müssen Verkehrsunternehmen und –verbünde noch stärker auf Kundenbedürfnisse eingehen.

Das Smartphone als digitaler und vernetzender Assistent wird dabei eine immer zentralere Rolle spielen und zunehmend zum Mittelpunkt von Information, Transaktion und Identifikation. Für Fahrgäste sind Tarifgrenzen und Tarife häufig zu kompliziert und schwer bis gar nicht nachvollziehbar. Mit der Anbindung an IPSI sind die Grenzen zwischen den Tarifregionen für den Kunden nicht mehr spürbar.

IPSI unterstützt die Verkehrsunternehmen und –verbünde darin, das Angebot ihrer etablierten Apps zu erweitern und ihren Kunden echtes tarifraumübergreifendes Reisen zu bieten. Dies macht die Nutzung des ÖPV in Fremdregionen deutlich attraktiver – auch für Gelegenheitsnutzer, denen der Zugang zu einem fremden Tarifsystem bisher zu kompliziert war.

Mit IPSI lässt sich durch die sinkende Zugangsbarriere auch die Zahl der Schwarz- und Graufahrer reduzieren, die bisher in fremden Regionen an Tarifen und Automaten scheitern. Der Fahrgast bleibt dabei die ganze Reise über Kunde seines Heimatverkehrsunternehmens bzw. –verbunds.



Wie funktioniert IPSI?

Mittels der IPSI-Schnittstelle und dem IPS als Hintergrundvermittlung können die Systeme der angeschlossenen Verkehrsunternehmen und –verbünde miteinander kommunizieren und Tickets austauschen. Reist zum Beispiel ein Fahrgast aus Köln nach Frankfurt und möchte dort den ÖPNV nutzen, kann er über die App der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) entweder produkt- oder verbindungsbasiert ein Ticket buchen.

Das produktbasierte Ticketing setzt eine gewisse Orts bzw. Tarifkenntnis voraus. So muss der Fahrgast wissen, welches Tarifprodukt er für seine gewünschte Verbindung erwerben muss. Beim verbindungsbasierten Ticketing wählt der Kunde nach Eingabe von Start- und Zielpunkt innerhalb einer Fahrplanauskunft die gewünschte Verbindung und erhält hierfür passende Tarifprodukte.

Im Hintergrund erkennt das System der KVB, dass es für Frankfurt keine Tickets verkaufen kann und fragt den IPS, wer hier der richtige Ansprechpartner ist. Der IPS ermittelt das Handyticketsystem des RMV für die gewünschte Strecke des Kölner Fahrgasts und vermittelt das gewünschte Ticket in Form des Handyticketeinheitslayouts. Die Bezahlung der Fahrt erfolgt durch den Kunden an seinen Vertragspartner - in diesem Beispiel die KVB.

Die Aufteilung der Einnahmen erfolgt bilateral zwischen den beteiligten Verkehrsunternehmen, d. h., die jeweiligen Verkehrsunternehmen rechnen die ihnen zustehenden Einnahmen gegeneinander auf und der Saldo wird dem anderen Unternehmen gutgeschrieben.

Sobald das zentrale Clearing in die Hintergrundsysteme von (((eTicket Deutschland implementiert ist, wird dieses die Geschäftsvorfälle aus IPSI mit übernehmen.



Wie kann ich bei IPSI mitmachen?

Jedes ticketausgebende Verkehrsunternehmen oder Verkehrsverbund mit eigener Handyticket-App kann sich an IPSI anschließen. Hierzu sind die Implementierung der IPSI-Schnittstelle in das bestehende System und ein Anschluss an den IPS notwendig.

Zusätzlich ist die Unterzeichnung des IPSI-Teilnahmevertrages mit dem VDV eTicket Service verpflichtend. IPSI ermöglicht erstmalig den gegenseitigen Vertrieb von ÖPNV-Tickets unter allen angeschlossenen Verkehrsunternehmen und -verbünden. So als würde ein lokales Verkehrsunternehmen deutschlandweit Fahrkartenautomaten aufstellen. Und damit sich alle aufeinander verlassen können und nach den selben Konditionen arbeiten, sind die Rechte und Pflichten der IPSI-Teilnehmer untereinander im IPSI-Teilnehmervertrag geregelt.



Wo gibt es diese Informationen zum Download?

Hier! Diese Informationen stammen aus der IPSI-Broschüre des VDV eTicket Service zur deutschlandweiten Vernetzung von Handyticketsystemen.

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